Agli astri, al ciel
Puccini lesen, hören, befragen.

Gespräche

Die Gespräche auf agli astri, al ciel sind keine Interviews im journalistischen Sinn. Sie sind Denkbewegungen im Dialog – Begegnungen, in denen Stimme, Erfahrung und Reflexion aufeinandertreffen.
Ausgangspunkt ist die Überzeugung, dass bestimmte Fragen des Musiktheaters nur im Gespräch beantwortbar sind: Fragen nach Haltung, Konsequenz, Grenze und Verantwortung. Nicht als abstrakte Begriffe, sondern als gelebte Erfahrung.


Gespräche als Denkform

Oper entsteht nicht allein in der Partitur und nicht allein auf der Bühne. Sie entsteht im Spannungsfeld zwischen Musik, Stimme, Körper, Biografie und Entscheidung. Die Gespräche dieses Projekts nehmen dieses Spannungsfeld ernst.
Sie setzen dort an, wo künstlerische Erfahrung nicht mehr selbstverständlich in Worte zu fassen ist:
Wie trägt eine Stimme eine Haltung?
Wo beginnt Konsequenz – und wo endet Schutz?
Was bedeutet es, eine Figur über Jahre hinweg zu verkörpern, ohne sie zu entschärfen?
Die Gesprächspartnerinnen sind dabei keine „Auskunftspersonen“, sondern Mitdenkende. Ihre Perspektiven sind nicht Illustrationen eines Konzepts, sondern eigenständige Stimmen.


Fragen als Orientierung

Jedes Gespräch ist von einem Fragenkatalog begleitet. Diese Fragen sind keine Vorgaben und keine Prüfsteine. Sie dienen als Orientierung, als gemeinsame Landkarte für das Gespräch.
Abweichungen, Widerspruch und Verschiebungen sind nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Oft entstehen gerade dort die präzisesten Einsichten, wo eine Frage nicht beantwortet, sondern zurückgewiesen oder neu gestellt wird.


Stimme, Erfahrung, Grenze

Im Zentrum der Gespräche steht immer wieder die Stimme – nicht als technische Kategorie, sondern als existenzielle. Stimme wird hier verstanden als Ort, an dem Haltung hörbar wird: in Zurücknahme, in Überschuss, im Aushalten von Spannung, im Risiko des Ausbruchs.
Besonderes Interesse gilt jenen Momenten, in denen eine Figur stimmlich nicht mehr „gesichert“ ist: wo Klang, Atem und Linie exponiert werden und Entscheidung hörbar wird. Diese Grenzmomente sind oft der Schlüssel zum Verständnis einer Rolle.


Figuren im Fokus

Derzeit konzentrieren sich die Gespräche auf Puccinis Frauenfiguren – Mimì, Tosca, Cio-Cio-San und Suor Angelica. Nicht als Typen, sondern als Haltungen.
Die Gespräche fragen danach, was es bedeutet, diese Figuren ernst zu nehmen:
nicht als Opfer, nicht als Projektionen, sondern als Menschen, deren innere Konsequenz nicht verhandelbar ist.
Weitere Figuren und Kontexte können folgen. Das Projekt ist bewusst offen angelegt.


Haltung

Die Gespräche verfolgen keinen didaktischen Anspruch. Sie wollen nichts erklären und niemanden überzeugen. Ihr Ziel ist Genauigkeit – im Hören, im Denken, im Sprechen.
Sie richten sich an Leserinnen und Leser, die Oper nicht konsumieren, sondern ihr zuhören wollen.