Über agli astri, al ciel
Agli astri, al ciel ist ein essayistisches Projekt an der Schnittstelle von Oper, Stimme und Denken. Es versteht Oper nicht primär als Repertoire, Aufführungsgeschichte oder ästhetisches Ereignis, sondern als einen Raum, in dem sich existentielle Fragen verdichten: Fragen nach Haltung, Konsequenz, Gewissheit, Treue und Verlust.
Im Zentrum steht die Überzeugung, dass Tragik weniger aus moralischem Versagen entsteht als aus innerer Stimmigkeit, die keinen Raum mehr findet. Oper wird hier nicht moralisch gelesen, sondern existentiell: als Kunstform, in der Haltungen hörbar werden, die sich nicht relativieren lassen.
Ausgangspunkt
Ausgangspunkt des Projekts ist die Auseinandersetzung mit Giacomo Puccinis Frauenfiguren. Nicht als Opferfiguren, nicht als sentimentale Projektionsflächen, sondern als Gestalten innerer Konsequenz. Mimì, Tosca, Cio-Cio-San und Suor Angelica werden gelesen als Figuren, die nicht scheitern, weil sie irren, sondern weil sie bleiben.
Diese Perspektive ist weder systematisch noch abschließend. Sie speist sich aus genauer Lektüre der Partituren, aus Aufführungserfahrung, aus Gesprächen mit Sängerinnen – und aus dem Versuch, Sprache für das zu finden, was auf der Bühne oft nur gespürt wird.
Arbeitsweise
Agli astri, al ciel arbeitet essayistisch und dialogisch.
Texte, Gespräche und Kritiken stehen nicht nebeneinander, sondern in Beziehung.
Gespräche mit Sängerinnen sind dabei ein zentraler Bestandteil. Sie verstehen sich nicht als Interviews im journalistischen Sinn, sondern als gemeinsames Denken über Stimme, Haltung, Erfahrung und Grenze. Die Fragen dienen als Orientierung, nicht als Vorgabe. Widerspruch und Präzisierung sind ausdrücklich Teil des Projekts.
Kritiken und Beobachtungen folgen keinem Bewertungsschema. Sie versuchen, Aufführungen einzuordnen: Welche Haltungen werden sichtbar? Wo geraten sie unter Druck? Wo wird Tragik hörbar – und wo verdeckt?
Haltung
Dieses Projekt verfolgt keinen didaktischen Anspruch.
Es will nicht erklären, wie Oper „zu verstehen“ ist, sondern einen Raum öffnen, in dem genauer gehört werden kann.
Es geht nicht um Vollständigkeit, sondern um Genauigkeit.
Nicht um Konsens, sondern um Ernst.
Agli astri, al ciel ist bewusst offen angelegt. Weitere Projekte, Figuren und Perspektiven können hinzukommen. Entscheidend bleibt die Frage, wie Oper als Kunstform heute gelesen werden kann, ohne sie zu entschärfen.
Zur Person
Mein Zugang zur Oper und zum Musiktheater ist biografisch gewachsen – und zugleich innerlich notwendig. Oper begleitet mich, seit ich denken kann. Ich bin in einem kulturell stark interessierten, musikalischen Elternhaus aufgewachsen, in dem Musik nicht vermittelt, sondern gelebt wurde. Diese frühe Selbstverständlichkeit des Klangs hat meinen Blick auf Musiktheater nachhaltig geprägt.
Ich bin selbst hochmusikalisch, spiele mehrere Instrumente und habe mich intensiv mit Gesang auseinandergesetzt, unter anderem in privatem Gesangsstudium bei einer international renommierten Professorin in Wien. Diese praktische Nähe zur Stimme – zu Atem, Linie, Belastbarkeit und Grenze – prägt mein Hören ebenso wie mein Schreiben. Sie schärft den Sinn dafür, was Musik trägt, wo sie schützt, wo sie exponiert.
Opernfiguren interessieren mich nicht als Rollen im engeren Sinn, sondern als Verdichtungen menschlicher Haltung. In ihnen begegnen mir Formen von Treue, Gewissheit, Hingabe, Schuld und Verlust, die sich nicht argumentativ auflösen lassen. Besonders jene Figuren, die nicht verhandeln, nicht relativieren und nicht ausweichen, stehen im Zentrum meines Denkens: Menschen, die bleiben – und gerade dadurch tragisch werden.
Mein Schreiben bewegt sich an der Schnittstelle von Musik, Psychologie und Ethik. Es sucht Sprache für das, was Musik oft nur andeutet: für innere Konsequenz, für Zurücknahme, für Überschuss, für das Schweigen nach der Entscheidung. Dabei verstehe ich Oper weniger als Gegenstand ästhetischer Bewertung denn als Denkraum, in dem existentielle Fragen hörbar werden.
Neben dieser musikalischen Biografie arbeite ich beruflich als studierter Jurist in der strategischen Politikberatung. Diese Tätigkeit schärft meinen Blick für Sprache, Macht, Verantwortung und Entscheidung – erklärt aber nicht meinen Zugang zur Oper. Dieser ist älter, tiefer und persönlicher.
agli astri, al ciel ist der Versuch, dieser gewachsenen Beziehung zur Musik einen Ort zu geben: nicht als abgeschlossenes System, sondern als offener Raum für konzentriertes Hören, Denken und Gespräch – im Dialog mit Künstlerinnen und Künstlern, aus Respekt vor der Kunstform und aus dem Ernst heraus, den sie verlangt.